Rutsch-und Sturzunfälle in der bundesdeutschen Rechtsprechung

nasser und rutschiger Boden auf Schiff

<strong>Wer trägt die Schuld, wenn jemand stürzt?</strong>

In den vergangen Jahren war es in der deutschen Gerichtsbarkeit gang und gäbe, stürzenden Passanten, Kindern, Touristen und hier vor allem Hotelgästen eine Mitschuld einzuräumen, wenn diese zu Fall kamen. Selbst wenn die Betreiber von Schwimmbädern, Hotels oder sonstigen Immobilien die Glätte ihrer Laufflächen billigend in Kauf genommen haben und aus rein betriebswirtschaftlichen Erwägungen heraus hier keine Abhilfe schaffen wollten, wurden diese nicht eindeutig und vollumfänglich in Regress genommen. Vielmehr wurden die Stürze und die daraus resultierenden Verletzungen eher dem allgemeinen Lebensrisiko zugeschlagen.

Es stellt sich jedoch die Frage, welches Rechtsverständnis diesen Urteilen zugrunde liegt. Sicherlich ist die in den USA geübte Praxis der astronomischen <a href="http://www.2keller.com/library/how-much-is-my-slip-and-fall-injury-case-... target="_blank">Schadenersatzsummen</a> von im Schnitt <strong>2. Mio. Dollar</strong> pro Sturz kein gutes Beispiel. Jedoch wurde hierzulande in den überwiegenden Fällen bisher das Verursacherprinzip völlig außer acht gelassen.

<strong>So sehen es die Kunden, Gäste &amp; Touristen</strong>

Da werden dem Sicherheitsverantwortlichen(!)&nbsp; eines großen Spaßbades in der Lüneburger Heide&nbsp; regelmäßig Sturzunfälle der Gäste zugetragen und dies bei Jung und Alt gleichermaßen. Er lässt daraufhin einen Gutachter kommen, der vor Ort dann die <strong>Rutschwerte </strong>des verlegten Fliesen testet und diese für ausreichend befindet. Daraus zieht dieser eigentlich der Sicherheit seiner Gäste Verpflichtete den Schluss, dass keinerlei Handlungsbedarf bestünde.
Unabhängig davon, dass auf einem verlegten Boden kein den TÜV-Normen entsprechender Test durchgeführt werden kann; sollten nicht die zahlreichen Unfälle und Verletzungen der Gäste Anlass genug sein, hier Abhilfe zu schaffen.

Das gleiche gilt für Duschen, Wannen und Schwimmbäder in Hotels: Auch sind die Bewertungsportale und Gästebücher voll mit Beschwerden über zu glatte Böden. Fragt man dann jedoch bei den beanstandeten Häusern nach, feiert Vogel Strauß fröhliche Urständ. Davon wisse man nichts, das könne gar nicht sein, oder derzeit sei kein Geld für Investitionen dieser Art vorhanden.

<strong>Ein aktuelles Urteil</strong>

Ganz aktuell wurde nun aber ein Urteil zugunsten einer auf einem <strong>Kreuzfahrtschiff </strong>gestürzten Touristin gesprochen. Zwar war auch hier die Verteidigungslinie der Beklagten eine Ansammlung an altbekannten Ausflüchten; das Gericht jedoch hat hier einmal eindeutig nach dem Verursacherprinzip geurteilt, und dem Betreiber des Schiffes die alleinige Schuld für diesen Unfall gegeben <a href="http://www.versicherungsjournal.de/markt-und-politik/gefaehrlicher-gang-... target="_blank">Az.: 16 U 226/13</a>.

Wie will man einem Gast auch die Mitschuld für einen rutschigen Untergrund geben?
Denn dass dies nicht sein muss, dafür hat die <strong>Sanitär- und Fliesenwirtschaft</strong> eine Vielzahl an Produkten und Lösungen in petto, die nachträglich auf nahezu jedem Untergrund für die nötige Rutschfestigkeit sorgen können.
Und einfach nur Schilder aufzustellen, die in mehreren Sprachen vor der Rutschgefahr warnen, mag zwar preiswert sein, zeugt aber auch nicht von einer ausgeprägten Menschenfreundlichkeit: <a href="http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Urteil-Kiel-haftet-fuer... target="_blank">Urteil: Kiel haftet für Sprottenplatten</a>

Vielleicht braucht es aber noch ein bisschen für einen Umdenkungsprozess in der Immobilien- und Tourismuswirtschaft. Doch <strong>Barrierefreiheit </strong>erschöpft sich nicht in der Breite von Türen und Unterfahrbarkeit von Tischen und Waschbecken. Auch eine dauerhafte Tritt- und Schrittsicherheit gehört zwingend dazu.
Und im <strong>Hotel </strong>ist mir ein Dusch- und Schwimmerlebnis, bei dem ich keinen sturzbedingten Oberschenkelhalsbruch zu befürchten habe, allemal lieber als kostenloses WLAN oder der Obstkorb auf dem Zimmer…